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Wie veröffentliche ich selbst ein Bilderbuch? Teil 2: Print-on-demand-Anbieter

Bei der Internetrecherche zum Thema Selfpublishing stieß ich auf eine riesige Fülle an Informationen und auf zahlreiche Plattformen und Anbieter für Selfpublisher. Für jeden, der ein Buch veröffentlichen möchte, scheint der Markt die maßgeschneiderte Lösung parat zu haben.

 

Amazon

Sehr viele Selfpublisher nutzen die Möglichkeit, das Buch direkt bei Amazon einzustellen, und zwar entweder als Ebook oder als Taschenbuch. Für beide Optionen stellt Amazon umfangreiche Informationen bereit, mit deren Hilfe man sein Manuskript in der gewünschten Form hochladen kann. Für Taschenbücher läuft das über die Plattform Createspace, eine Amazon-Tochtergesellschaft. Die hier hochgeladenen Daten werden nach dem Print-on-demand-Verfahren (Pod) verarbeitet, das heißt, erst wenn eine Buchbestellung eingegangen ist, wird das Buch tatsächlich gedruckt.

 

Der Vorteil: es entstehen keine Lagerkosten und man hat keine hohen Investitionskosten für den Buchdruck. Leider sind die bei Createspace verfügbaren Grammaturen der Papiere für einen vollflächigen Farbauftrag im Vierfarbendruck wohl nicht ausreichend. Das Papier ist nach Angaben anderer Selfpublisher eher dünn, neigt dazu, sich zu wellen und die Abbildungen scheinen auf der Rückseite des Papiers durch. Für den Druck eines klassischen Bilderbuchs scheint Createspace also wohl eher ungeeignet.

Und was ist mit Ebooks? Für die stellt Amazon die Plattform KdP (KindleDirectPublishing) bereit. Dort gibt es für Comics und Bilderbücher sogar spezielle Tools: den „Kindle Comic Creator“ und den „Kindle Kidsbook Creator“.

 

Das klingt verführerisch!

 

Hört sich so an, als ließe sich mein Manuskript per Knopfdruck in eine dem Buch gerechte digitale Version verwandeln. Doch die Adaption meines auf den Buchdruck ausgelegten doppelseitigen Layouts im Format A4, aufgeklappt also A3, ist gar nicht so einfach, denn die Displaygröße der Lesegeräte für Ebooks ist in der Regel um einiges kleiner als eine A3-Fläche. Details gehen eventuell verloren und so, wie die Textgröße momentan angelegt ist, wird der Text schwer lesbar sein. Zwar bietet der Kindle Kidsbook Creator hier die Option, Text in einem Popupfenster, das dann wohl mittig auf dem Bildschirm angezeigt wird, zusätzlich anzuzeigen, aber sieht das aus?

 

Damit meine Geschichte vom Kater Fläz als Kindle Ebook auf allen in Frage kommenden elektronischen Geräten (Amazon stellt seit einiger Zeit eine kostenlose Lese-App für IoS- und Android-Geräte sowie Mac und PC zur Verfügung) mit Spaß angeschaut und gelesen werden könnten, müsste ich das Layout, eventuell auch den Text, womöglich sogar die Illustrationen umstricken. Dazu kommt noch, dass im Bereich Bilderbücher digitale Produkte noch häufig mit Skepsis betrachtet werden.

 

Die technischen Gegebenheiten machen es unattraktiv, mein Buchprojekt direkt über Amazon zu veröffentlichen. Darüber hinaus kann man mit Amazon als alleiniger Vertriebsplattform nur ein eingeschränktes Publikum erreichen. Menschen, die generell abgeneigt sind, Einkäufe im Netz über den Onlinehandelsriesen zu tätigen, kann man ebenso wenig erreichen wie die, welche sich lieber über den stationären Buchhandel mit Lesestoff versorgen. Es heißt also, nach Alternativen Ausschau halten.

Epubli, Bod und Co.

Mit der Selfpublishing-Welle sind in den letzten Jahren Plattformen entstanden, die wie Amazon Print-on-demand-Lösungen anbieten. In der Regel betreiben diese einen eigenen Onlinehandel, wo die Bücher dann erhältlich sind.

 

Zusätzlich bieten sie die Möglichkeit, dass das Buch auch bei anderen Online-Plattformen, sowie im stationären Buchhandel gelistet wird. Buchdruck, Anmeldung bei den verschiedenen Onlinehändlern, Beschaffung der ISBN, Listung im VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher), Buchauslieferung usw., die Abwicklung all dieser lästigen Dinge wird in der Regel von diesen Print-on-demand-Anbietern übernommen.

 

Ein richtig toller Service ist das und ich würde sicher nicht zögern, mein Buch über einen solchen Dienstleister zu veröffentlichen, gäbe es da nicht einen klitzekleinen Haken: Die Druckkosten. Diese nämlich sind bei einem Bilderbuch, wo ja alle Seiten farbig angelegt sind, bei der Herstellung im Print-on-demand-Verfahren sehr hoch, so dass das Buch im Verkauf sehr teuer werden würde.

 

Bei den drei Anbietern, die ich mir mal rausgepickt und verglichen habe, käme für mein Buchprojekt (Eckdaten: Format A4, 36 Seiten, alle Seiten farbig, Hardcover, wenn möglich mit Fadenbindung) ein empfohlener Ladenpreis von 24,99 Euro (Bookmundo), 24,82 Euro (Epubli), bzw. 39,99 Euro (Bod) zustande. Diese empfohlenen Ladenpreise könnte man zwar noch nach unten anpassen, was halt dann zur Folge hätte, dass die Vergütung pro verkauftem Buch sich verringern würde, aber auch der Mindestladenpreis (der Preis, der erzielt werden muss, damit überhaupt die Kosten gedeckt sind) läge bei allen drei Anbietern bei über zwanzig Euro.

 

Hier eine kleine Tabelle, mit den Druckkosten, Ladenpreisen und Vergütungsmargen der drei Anbieter im Vergleich (Stand Februar 2018):

Ganz schön zum mit den Ohren schlackern, diese Preise, und das bei teilweise gegen Null tendierender Vergütung. Oder was meint ihr, Leserinnen und Leser? Falls ihr euch überhaupt für Bilderbücher interessiert, würdet ihr für so ein Buch fünfundzwanzig-Euro-aufwärts bezahlen? Nein? Muss der Fläz also doch zurück in seine Schublade?

 

Vielleicht nicht. Es gibt noch eine dritte Variante: Das Buch selbst in einer kleinen Auflage drucken und dann über einen Vertriebspartner in den Handel bringen lassen. Welche Möglichkeiten es im Bereich Buchdruck gibt und wie man errechnet, was so ein Buch im Druck kosten darf, davon erzähle ich dann das nächste Mal.

 

Für die, die sich selbst auch gerade mit Selfpublishing beschäftigen und genaueres zum Thema erfahren möchten, gibt es unten noch eine Liste mit Links zu den Webseiten, auf die ich bei meiner Recherche gestoßen bin.

 

Mit Grüßen vom Dorf, Eure Petra

 

 

 

 

Buchveröffentlichung bei Amazon:

  • Createspace-Erfahrungen von Sven Lennartz auf dem Blog conterest.de
  • Kinderbuch als Ebook veröffentlichen - Erfahrungsbericht auf dem Blog Literaturcafe

 

Andere PoD-Dienstleister

 

Diverse Informationen rund ums Thema:


Kommentare: 2
  • #2

    Petra (Freitag, 15 Juni 2018 11:45)

    Liebe Dodo,
    schön, dass du mir hier schreibst und vielen Dank furs Daumendrücken!!!!

  • #1

    Dodo (Dorothea) (Freitag, 15 Juni 2018 10:22)

    Liebe Petra,
    das ist eine wunderbare Idee, Dein Buch auf dem Wege des Selbst-Publishings zu veröffentlichen. Und dass wir an Deiner Reise Teil haben dürfen ist klasse. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du mit Deiner tollen Arbeit viel Erfolg haben wirst. … Ich bleibe jedenfalls dran und verfolge Deine Schritte.
    Liebe Grüße,
    Dodo